Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

14 | Fashionata? Fashion nix da!

20 Kommentare

Als moderne junge Frau fröne auch ich völlig ungezwungen meiner Weiblichkeit.
Ich klebe mir Anti-Mitesser-Strips auf die Nase (das Kinn, die Wangen, die Stirn,…), organisiere fleißig mein Make-up („Ich hab Wimperntusche in grün?“) und befolge Mode-Tipps („Die Cosmopolitan schreibt, man soll seine Nägel in der Farbe lackieren, nach der man sich fühlt. Dieses Rot heißt ‚Blut meiner Feinde’…“).

Aber hat nicht jeder irgendein Teil in seinem Kleiderschrank, dass nicht einmal dann ginge, wenn die 80er zurückkämen?

Ich trage im Winter nachts zum Beispiel gerne Schlafanzüge.
Ja, Schlafanzüge, Pyjamas, Nachtwäsche. Nennt es, wie ihr wollt. Es ist und bleibt ein Ganzkörperanzug, der aus jedem Menschen das letzte bisschen Würde herauspresst, das man eben noch so hat, wenn man mit Augenringen, Kissen-Frisur und Dinosaurier-Hausschuhen durch die Wohnung schlurft.
Ich besitze unscheinbare Schlafanzüge; schwarze Hosen, dunkelblaue Shirts.
Aber auch hier gibt es einen Ausreißer: Die Hose ist aus beige-verwaschenem Baumwollstoff mit stempelartig aufgedruckten Krönchen in orange und Sternchen in erbsgrün und marineblau. Dazu ein pinkes Oberteil mit einer kulleräugigen Comic-Katze, die in einer hellblauen Sprechblase sagt „Guten Morgen, Mäusschen“ (ist das eine Drohung?).
Das ganze wird nur noch getoppt von den Abschlussbündchen.
Sieht das gut aus? Betont es optimal meine Kurven? Gewinne ich damit den Fashion-Preis?
Natürlich nicht! Aber es fühlt sich toll an…

Jedes Jahr im Frühling starten alle Medien wieder die Diskussion, ob Socken in Sandalen einfach nur abartig oder doch abgrundtief pervers sind.
Aber seid ihr schonmal mit schwitzigen Füßen in einem Sandalen-Plastik-Fußbett hin- und hergerutscht, während alle Kollegen sich beekelt die Hand vor die Nase hielten und was von „schrecklichste Käsefüße aller Zeiten“ murmelten?
Auch die vielen Fußpilz-Erkrankten, Hühneraugen-Geplagten und Nagelscheren-Verweigerer täten gut daran, ihre Füße zu bedecken.
Aber wollen wir uns wirklich zu der Entscheidung zwischen den einzigen beiden Optionen „Dicke Wollsocken in Wanderschuhartigen Stiefeln“ oder „FKK-mäßige Nacktheit in papierdünnen FlipFlops“ zwingen lassen? Hop oder (Flip)Flop?
Das Leben ist nunmal nicht schwarz oder weiß. Da gibt es noch diverse Grautöne dazwischen. Das gilt übrigens auch für Socken. Wenn diese dann farblich zu den Sandalen passen, spricht doch nichts dagegen?
Ich trage meine schwarzen Trekking-Sandalen (jaha!) immer mit schwarzen dünnen Socken. Soll der unsterbliche Mode-Gott doch tot umfallen!

Überhaupt das Thema Socken.
Wer hat eigentlich behauptet, Stoppersocken dürfe man maximal bis zum achten Lebensjahr tragen?
Ich lebe in einem Altbau mit abgezogenen Dielen und wäre dank kuscheliger Wollsocken beinahe mal aus dem Fenster gerutscht!
Nichts geht mir über grau-melierte Stoppersocken mit neongelben Gummi-Tatzen auf der Unterseite.
So schnell wie mit denen wetzt man nie wieder über glatte Böden – egal wie alt man ist.

Mein aktuelles „war nicht modern, ist nicht modern, wird nie modern“-Lieblingsstück ist übrigens meine Herbstjacke. Eine plastik-knautschende, alles abweisende Allwetter-Jacke in mintgrün. Die Jacke besitzt sowohl an den Ärmeln als auch unten eine Art Gummiband, das die kalte Luft davon abhalten soll, mir unter die Jacke zu fahren. Leider trägt die Jacke dadurch total auf und ich sehe damit aus, wie ein überdimensionales Minzbonbon!
Dabei konnten die Designer es aber nicht belassen: Auf der Rückseite der Jacke befindet sich unten ein riesiges Ahornblatt, über dem „Canada“ steht. In Konfektionsgröße 46 und dem zugehörigen Hintern ist das Blatt etwa einen Quadratmeter groß.
Aber hey, wer wünscht sich nicht, dass aus seinem Arsch ein riesiger Ahorn wächst?
Um sich mit so einer Jacke durch eine Großstadt voller Skinny-Jeans-tragender Hippster zu bewegen, braucht man mehr als Selbstbewusstsein. Da helfen nur noch harte Drogen…

Also, liebe Leser. Sollte euch jemals ein riesiges Minzbonbon in beigen Schlafanzughosen und Trekking-Sandalen begegnen, denkt an mich.

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Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

20 Kommentare zu “14 | Fashionata? Fashion nix da!

  1. Sehr schön geschrieben. Im Gegensatz zu dir mag ich Skinny-Jeans sehr gerne, doch habe auch ich Klamotten, wo andere sich oft wundern 😀 Ein Foto deiner Jacke hätte ich gerne noch gesehen 😉 Liebe Grüße

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  2. Ich habe gerade darüber nachgedacht, wie viele modische „no-go’s“ sich in meinem Kleiderschrank tummeln… Es sind vieeeele… Lauter Lieblingsteile, wir sind quasi miteinander alt geworden. Und wenn ich sie trage, geht es mir so gut, dass mir das Urteil anderer völlig schnuppe ist.

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  3. wtf sind skinny-jeans??? da siehste mal was ich ne ahnung von mode hab 😀 — absolute no-gos hab ich nicht im schrank, aber ich liebe meine übergrossen klamotten aus zeiten wo ich noch einige viele kilos mehr auf den rippen hatte. weggeworfen werden die aber nicht. sie werden getragen !!!! 🙂 wenn keiner da ist

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  4. Mode wiederholt sich ja angeblich. Ich frage mich wann sie wieder mit Reifröcken anfangen.
    Allerdings hoffe ich persönlich sehr, dass die Skinny Jeans bald wieder der Vergangenheit angehören. Erst recht bei Männern. Das ist wie das ganze Jahr Halloween – aber in echt gruselig. Diese… verhungernden… armen… Menschen… wie sie… lächeln und dabei ihr Schädel nur noch deutlicher hervortritt… und dazu hängt der nicht vorhandene Arsch irgendwo knapp über der Kniekehle. *schauder*

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  5. Wenn ich die Modeblogs so verfolge, sind die Skinny-Jeans nicht auf dem absteigenden Ast, sicher kommen andere Formen dazu, auch eine gewisse „Karotte“ wurde in einer Hamburger Nobelboutique gesichtet 🙂 . Und so weit ich weiß, ist nicht das Zauberwort bei Skinny-Jeans Elasthan? Natürlich kommt es auf die Verteilung von Elasthan in bestimmten Bereichen der Jeans an, sonst verliert sie ihre formgebende Wirkung! In einer Amsterdamer Jeans – Boutique (als Bespiel, was in NL, wo Modeströmungen aus USA viel früher Einzug nehmen, Inn ist) ist der Trend zu Skinny-Jeans ebenso ungebrochen, wenn auch die Boy-Friend ganz beliebt ist. …LG

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  6. Für mich wieder der Beweis, dass Frauen und Männer von verschiedenen Planeten stammen und unser Zusammensein auf diesem Planeten nur ein kosmisches Experiment sein kann.
    Kissenfrisur, Stoppersocken und die Sandalen-Debatte, alles Agressoren, die es auf Maskuline, der männlichen Heimatwelt wohl nie geben wird. 🙂

    Aber als neugierige Entdecker sind wir auch dazu auserkoren, die drölfte Dimension mit ihren unendlichen Weiten des weiblichen Kleiderschranks zu erforschen.

    Einem Bündnis zwecks Bekämpfung der Skinny-Jeans Invasoren steht nichts im Wege. Dann aber bitte in PVC knisternen, mintgrünen Kampfanzügen. So finden Frauen und Männer vielleicht doch noch zusammen und am Ende trägt jede/r was sie/er mag.
    So kann jedes Ende auch ein neuer Anfang sein. Aufstände und standesrechtliche Erschießungen aufgrund Comic-Kitten Pyjamas gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an.

    LG
    Uwe

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  7. Sehr amüsant deine Texte.
    Ich freue mich über dein Folgen. Damit habe ich ein erstes Minzbonbon unter den Followern. 🙂
    Liebe Grüße dir, Marion

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  8. Wann immer ich solche genialen Texte lese, frisst mich 1. der Neid und 2. möchte ich meinen Blog endgültig zum Teufel hauen.
    Viele Grüße 🙂

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  9. Hallo Roe!

    Ich bin besonders in den Ferien eine echte FashionNixDa! Da kombiniere ich locker mal ein Blümchenkleid zu Bergstiefeln oder das blaue Shirt zu den orangenen Socken + grau-türkis-farbenen Sonnenhut gegen rote Gesichtshaut (denn das geht garnicht). Das ist nicht nur bequem (alle Lieblingsstücke miteinander kombiniert), es spart auch Zeit! Denn wenn ich dann nach dem Urlaub die Fotos sichte, entscheide ich mich gern auch mal dagegen ein aufwendiges (und zeitfressendes) Fotobuch damit zu füllen… da erinnere mich lieber an das wohlige Gefühl und die tolle Aussicht. 😀

    Liebe Grüße

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  10. MMMhhhh – Lieblingsklamotten 🙂
    Ein schönes Thema.
    Dadurch, dass ich im Moment arbeitsunfähig bin, gibt es ohnehin kaum eine alternative Optik als Jogginghose und Kuscheloberteil. Mein lieber Ehemann zeigt hier tatsächlich seinen Blick auf meine inneren Werte.
    Im Moment sehe ich für mich aber auch nur schwer Alternativen – mit obenrum 46 und untenrum 44 hab ich immer so das Gefühl, dass es einfach nicht „sexy“ geht. Aber gut… das ist Selbstwahrnehmung; ich tu mich schwer….

    Irgendwo in den Tiefen eines Schrankes vergraben habe ich noch 3 Lieblingsteile aus 1990 liegen.
    Da ist ein Wickel-Mini-Rock in pastell-lila mit kleinen Blümchen drauf, der knapp über den Po reicht.
    Und eine Hose, die ein bißchen nach Schlafanzug aussieht; aus einem glänzenden Stoff in Grüntönen, die aussehen wie Farbschlieren mit dem Reißverschluß an der Seite in 5/6 Länge.
    Und dann wäre da noch eine Art Trägerhose in blauen Batik-Tönen mit Reißverschluß vorne bis zur Brust und Schnürbändern um die Hüfte.
    Alles in 38 und vermutlich für eine Frau mit bald 50 nicht mehr ganz angemessen.

    Aber ich liebe diese Teile.
    Käme ich mit meinem etwas üppigen Po und den kräftigen Oberschenkeln da hinein und sähe es nicht so derbe affig aus, würde ich sie nie mehr ausziehen.

    Stoppersocken – damit habe ich meinen Mann angefixt. Sie sind wunderbar warm und praktisch auf ständig kaltem Laminatboden.

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    • „für eine Frau mit bald 50 nicht mehr ganz angemessen“ ist einer von diesen Sätzen, die ich gern aus dem menschlichen Vokabular streichen würde. Wer sagt dir das denn? Wenn du es toll findest, mach es. Und wenn’s wem nicht gefällt, soll er wegguggen 😀

      Und hey, noch einer mit Stoppersocken-Fimmel. Sehr sympathisch!

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      • *Lach*
        Meine Tochter hatte mal so eine Zeit…..
        Da hat sie mir laufend gesagt, ich solle mich doch mal „altersgerecht“ verhalten/kleiden. Ich glaub, da war sie in der Pupertät.
        Heute, 10 Jahre später, sagt sie laufend, sie wünscht sich ihre verrückte Mama zurück.

        Ich selbst habe derzeit das Gefühl, auf einer Art Entdeckungsreise zu sein. Mich selbst auszumisten; zu entdecken; zu suchen; fühlen zu lernen….
        Und irgendwann, wenn ich mich aus dieser „Schale“ herausgefusselt habe, werde ich sehen, was da ist 🙂

        Was sagte einmal ein Bildhauer?
        Diesen Engel muß man nicht MACHEN. Der ist immer schon da. Man muß nur all das überflüssige Drumrum weg machen – das ist nicht schwer.“
        Ich bleib dran 😉

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