Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

38 | These boots are made for walking

24 Kommentare

Bald kommt der Sommer.
Oder doch zuerst nochmal Winter? In dieser Woche hieß es nämlich wieder: „April April, macht immer was er will.“

Dennoch hatte ich mich optimistisch in die Tiefen meines Kleiderschranks gestürzt und überprüft, ob ich noch T-Shirts besitze. Wenn ja: wie viele, in welchem Zustand und am wichtigsten: Was davon passt noch?
Während ich durch den Kleiderschrank robbte und geschickt den hervorstehenden Nägeln auswich, welche die Holzbretter meines Schrankes auch nach zigfachen Umzügen noch zusammenhalten, fand ich plötzlich eine gigantische Schuhschachtel mit der Aufschrift „Kampfstiefel“.
Nein, ich war nie beim Bund gewesen und gehöre auch keinen sonderbaren Idiotologien an. Ich war in meiner Jugend ein Metalhead! Und bin es im Herzen immer noch. Nur die Schuhe, die hab ich schon lang nicht mehr getragen…

Kampfstiefel. Als ich noch aktiver Metalhead war, kannte und besaß sie jeder in meinem Freundeskreis. Egal ob 10-Loch, 14-Loch, 20-Loch, Overknee, hochgeschnürt, lässig offen, mit Stahlkappe oder ohne, hauptsache schwarz und ledern.
Kampstiefel sind äußerst praktisch, wenn dir beim Umzug die Waschmachine auf die Zehen fällt und du dank Stahlkappe davon gar nichts merkst. Sie sind auch ein nettes Accessoire zur Selbstverteidung, wenn auf dem Nachhauseweg mal wieder eine Horde besoffener Idioten mit ausgefallenen Sado-Maso-Wünschen auftaucht.
Kampfstiefel sind einfach formschön und gehören zum trven Metaller wie lange Haare (bitte beachtet hierbei das Tragen des beschriebenen Schuhwerkes am Fuß. Niemals sollten hier individuell abweichende Entscheidungen getroffen werden…)

Problematisch wurde die Sache immer erst, wenn nicht nur ein Metalhead unterwegs war, sondern die gesamte Truppe zur privaten Party in meiner Wohnung aufkreuzte.
Entgegen aller Gerüchte sind Metalheads äußerst zivilisiert und so wurden beim Betreten der Wohnung nicht nur die Kutten, sondern auch die Schuhe abgelegt. Da dann alle doch relativ gehetzt zum Bierfass rannten, merkte sich allerdings kaum einer, wo er seine Stiefel genau abgestellt hatte.
So kam es, dass zum Ende der Party plötzlich der Erste den Satz hervorstieß: „Wo sind denn jetzt eigentlich meine Stiefel?“
Natürlich waren die Schuhe nicht verschwunden. Aber Kampfstiefel tragen kaum eine individuelle Note. Wenn man vor 20 einzelnen Fußbehausungen in 14-Loch-Fassung, schwarz, Leder, Größe 45 steht, tun sich ernsthafte Unterscheidungsprobleme auf. Erschwerend kam der eingangs erwähnte Biergenuß hinzu, der die Suche zwar nicht einfacher, dafür aber zumindest unterhaltsam gestaltete.

Nach und nach versammelte sich dann die gesamte Gruppe in meinem winzigen Flur und kurz darauf flogen nur noch Schuhe durch die Luft.
Verzweifelt wurde doch noch nach Erkennungsmerkmalen gesucht: Waren unsere Sohlen geschraubt oder geklebt? Hatten meine Stiefel nicht innen einen kleinen Zettel? Ich bin kürzlich erst in Hundescheiße getreten. Ach und ich habe übrigens Fußpilz.

Aber alles, worauf man sich nach langer Diskussion einigen konnte war: Der linke Schuh gehört an den linken Fuß und der rechte an den rechten.

In der Regel folgen nach solch nächtlichen Diskursen am darauffolgenden Tag in verbessert nüchternem Zustand längere Telefonkonferenzen (Whatsapp gab’s ja noch nicht), in denen lebhaft erörtert wurde, wer versehentlich wessen Schuhwerk entwendet hatte.
Wenn das zweistündige Telefonat nicht zur Lösung führte, verständigte man sich darauf, die Schuhproblematik persönlich zu lösen. Abends, bei einem Bierchen, in meinem winzigen Flur!

Ich glaube, Metallerinnern sind die einzigen Frauen auf der Welt, die nicht nervös werden, wenn sie ihre Männer versehentlich in ihren Schuhen erwischen…

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Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

24 Kommentare zu “38 | These boots are made for walking

  1. Für einen Moment musste ich an deine Anekdote denken, in der all deine Sachen als Putzutensil reinkarnierten. Ich muss zugeben, dass mich interessieren würde, was man mit Kampfstiefeln putzen könnte 😀

    Ansonsten darf ich dir als alter Metaller sagen, dass ich immer unheimlich froh über meine Sportschuhe und Sneaker war und auch heute noch bin 😉

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  2. o.O Danke für die Erheiterung.:)

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  3. „…wenn auf dem Nachhauseweg mal wieder eine Horde besoffener Idioten mit ausgefallenen Sado-Maso-Wünschen auftaucht.“

    Mal wieder? Passiert das öfter? o.O

    😉

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  4. du warst headbängerin……………….. woooooooooooooooow und das mit kampfstiefeln… *KOPFKINO* 😀

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  5. Bei meinem Freundeskreis wars einfach, die 20-Loch waren meine 😀

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  6. … und ich dachte ich kenne schon alle Partyspiele 😉

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  7. Damn! Ich hatte als Metalhead nie Kampfstiefel, sondern Converse Boots, sogenannte Chucks. Damit wäre ich im besagten Flur fein raus gewesen. Up the Irons!

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  8. Bloglesen ist gefährlich. Auf einmal kommen Dinge in Dein Leben, die Du bisher nicht vermisst hast.
    Bisher sage ich…

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    • Stiefel anziehen und mit hocherhobenem Metalgruß zum nächsten Konzert rennen, um die (nicht mehr vorhandene) Matte zu schwingen? 😀

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      • Da brauche ich erst einmal einen Umzug. Dann hätte ich ja (endlich) einen Grund zum Stiefel kaufen. (Bin halt ein praktischer Mensch.)
        Und dann wäre ein Hörtipp hilfreich. Ähnlich wie seinerzeit der Westradio hörende Erich… (Seit Hells Bells habe ich das Genre doch ein wenig aus den Augen verloren.)

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        • Da hat sich seither viel getan. Es heißt nicht mehr „Heavy Metal“, sondern „New Wave of British Heavy Metal“, bla bla bla, „Old Shatterhand Unicorn sparkled Glam Metal“, bla bla…
          Und wehe, die Subkulturen einzelner Metal-Genres treffen aufeinander *augenroll*
          Vielleicht ein Grund, wieso es mir irgendwann zu blöd wurde 🙂

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  9. Herrlich! Wenn so eine tolle Geschichte bei rauskommt, kannst du gerne öfter in deinem Schrank verschwinden!

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