Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

40 | Lost in Translation

119 Kommentare

Wenn ich vor euch stehe, würdet ihr es nicht merken.
Es wird euch nicht einmal auffallen, wenn ich mit euch spreche. Dennoch ist es wahr: Ich bin das Kind von Menschen, die aus einem deutschen Landstrich kommen, der so winzig ist, dass wenn man mit dem Finger auf die Landkarte zeigt, die Region bereits komplett verdeckt ist.
In dieser Region wird Dialekt gesprochen. Und was für einer! 
Wer dachte, Boarisch, Sächsch oder Schwäbisch wären kaum auszuhalten, hat sich nie mit meinen Eltern unterhalten müssen.

Meine Mutter hat im Kopf einen lingualen Kippschalter. Spricht sie mit meinem Vater, dialektelt sie quietschfidel vor sich hin. Spricht sie mit mir oder anderen, artikuliert sie sich in Hochdeutsch. Hintergrund ist, dass ich weder in der elterlichen Region geboren noch aufgewachsen bin und meine Mutter nicht wollte, dass ich in der Schule gemobbt werde.
Mein Vater hingegen dialektelt auch Jahrzehnte nach dem Fortzug aus seiner Heimat-Region entgegen jeglichen Unverständnisses seiner Gesprächspartner fleißig vor sich hin.

So kam es, dass mein Vater ganz versehentlich die beste Taktik zum Loswerden von Telefonverkäufern gefunden hat: „Eio, it Telefon bimmelt, eich jihn ran, sän ‚Jupp Rähnranno?‘ un hirn: ‚As do Jupp Rähnranno?‘ Eich son ‚Eio, Jupp Rähnranno!‘ Do lächt de Kerle eefach uff!“ *1
Meine Mutter und ich schauen uns irritiert an. Dann dämmert uns: Mein Vater meldet sich mit „Jupp Rähnranno“ und der Telefonverkäufer dachte: Jupp Rähnranno ungleich Josef Rainrunner, ergo muss er sich verwählt haben.
Wir kichern. Immerhin musste mein Vater sich dem Verkaufsgespräch nicht aussetzen. Super Idee!
Meine Mutter setzt dennoch belehrend an: „Jupp! Eich hun da schun hunadtausändmol jisot, dau sullst in da Äffentlichkät huchdeitsch rin!“ – „Wisu dann? Ma vastieht meich duch!“ *2
Nunja…

Beim Spielabend ähnliche Wirrungen:
Mein Vater krabbelt auf dem Boden herum und murmelt dabei: „Dat Stibbchen, wu as dat Stibbchen?“
Meine Freundin schaut mich irritiert an und flüstert: „Sag mal, ist dein Vater jetzt schon betrunken?“ – „Ne, er sucht nur nach einer scheinbar heruntergefallenen Spielfigur…“

Auf dem Wochenmarkt ist es ebenfalls nicht besser:
„Tach! Mia breichtn drä Kilo Kappes.“
Der Gemüsehändler wiederholt ungläubig: „Dreckiges… was?“
Ich schalte mich ein: „Wir bräuchten drei Kilo Weißkohl“ – „Ah!“
„Unno ä Beitelsche Grumbern.“
Ich übersetze: „Und noch ein Beutel Kartoffeln.“
„Undanno zwu Kilo Ähbeln“
Der Händler strahlt mich an: „Zwei Kilo Äpfel?“
Mein Vater faucht: „Hun eich Ähbeln uda Äppel jisot?“
Ich schicke todbringende Blicke zu meinem Vater und korrigiere Richtung Händler: „Zwei Kilo Erdbeeren…“
Mein Vater grummelt: „Do kunn eich uch gläch selvst dat Puckkärschelche soche und dat Jemäs usm Gadde ussgrove…“ *3
„Hat Ihr Vater mich gerade Ärschelchen genannt??“
„Nein. NEIN!!“

Meine Mutter spricht entgegen ihrer eigenen Überzeugung leider kein astreines Hochdeutsch. So kommt es, dass sie einige Worte, die sie für Hochdeutsch hält, an mich weitergegeben hat:
Wir befanden uns in der WG-Küche. Die Waschmaschine spuckte gerade Tonnen von Schaum und Wasser aus. Ich drückte mich mit aller Kraft gegen Maschine und Waschmittelfach und rief meinem Mitbewohner zu: „Gib mir das Literblech!“ – „Das was?“ – „DAS LITERBLECH!“ – „DAS WAS?“ – „DAS LITERBLECH!!!“ – „WAS IST EIN VERDAMMTES LITERBLECH?“ – „Na… das da (draufzeig)!“ – „Das heißt Messbecher!!“

In solchen Momenten höre ich in meinem Kopf immer die Politiker schwadronieren, dass Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen kein deutsch gesprochen wird, es später im Leben schwerer haben…

 

Übersetzungshilfen
*1 „Das Telefon bimmelt, ich gehe ran, sage ‚Josef Rainrunner?‘ und höre: ‚Ist dort Josef Rainrunner?‘ Ich sage ‚Josef Rainrunner!‘ Da legt der Kerl einfach auf!“
*2 „Josef! Ich habe dir schon hunderttausendmal gesagt, du sollst in der Öffentlichkeit hochdeutsch reden!“ – „Wieso denn? Man versteht mich doch!“
*3 „Da kann ich auch gleich selbst die Harke suchen und das Gemüse aus dem Garten ausgraben.“

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Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

119 Kommentare zu “40 | Lost in Translation

  1. mein guter kaffee wurde leider gerade über den tisch geprustet….herlichst!

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  2. So toll. Ich hab mich weggeschmissen. Auf dass der Dialekt aussterbe.

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  3. ooh, ich glaube, den Dialekt kenne ich sogar….ist der aus dem Saarland? Ich verstehe, ehrlich gesagt, die wenigsten Dialekte. Es reicht da schon aus, wenn man von Oberbayern nach Niederbayern zieht ;). Wir sind hier in einem Ort gelandet, in dem man bei dem einheimischen Dialekt kein Wort versteht. Zum verzweilfen. 😉

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  4. Erinnert mich an Freunde aus dem wunderschönen Luxenburg. Ich mag es gern, wenn Leute im Dialekt brabbeln. Ich verstehe kaum ein Wort. Aber das hindert mich nicht daran nach 3-4 Bierchen fleißig mitzureden 😀

    PS: Spacy spuckt Schaum und Wasser?! Ist dann wohl doch nicht so toll, wa? 😛 😉

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  5. Eifel! Alles klar, ich hab mich gewundert, dass ich überhaupt was verstanden habe. Auf das Wort für „Harke“ komme ich allerdings nicht, und die Erdbeeren waren trotz lauten Aussprechens auch schwierig …
    Ich war in einer etwas ähnlichen Situation: hochdeutsch erzogenes Kind in Dialekt-Umgebung … 😉
    Danke für den Lacher am Morgen!
    Liebe Grüße
    Christiane

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  6. Hajo, des is lustisch. So war des, als isch von do obbe nach unne gezooche bin (Oh, das ist lustig! So war das, als ich von Niedersachsen nach Mannheim gezogen bin!)…

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  7. wunderbar! ich liiiebe dialekte! hab schön gelacht beim lesen…
    schönsten freitach, den 13. 😉

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  8. OH MEIN GOTT – hahaha. 😀 Das klingt arg nach Heinz Becker, den ich damals nur wegen der unfassbaren Situationen geschaut und weniger, weil ich ihn verstanden habe. Aber das ist nicht aus der Seitenbacher-Müsli-Ecke „Na bloß gut, Karle, dass wir das Seitenbacher-Bergsteiger-Müsli gessen hent.“ Oder? Und danke für die Übersetzung 😀

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  9. Literblech suche ich ab sofort meinem (auch aktiven) Wortschatz anzuverwandeln. Amüsanter Text, es macht Spaß, den Dialekt zu enträtseln. Verunmöglicht wird das natürlich dort, wo andere Begrifflichkeiten verwendet werden. Lieben Gruß

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  10. Ich habe hier fast Sch…. gebrüllt vor Lachen. Geschrieben habe ich vielleicht 90 % verstanden – hätte ich es gehört, wäre es schlagartig auf unter 50 % gesunken.
    Und das liegt nicht an meinen momentanen Schlecht-Ohren, auch davor war ich dialekt-unverständig. Bei einer Fahrradtour erzählte mal ein Hesse unserer Gruppe einen längeren Witz. Alle lachten, nur ich nicht. Er guckte mich fragend an und ich: „Kannst du mir das bitte nochmal in Deutsch erzählen?“ Wir wurden trotzdem Freunde.
    Ich bin „versehentlich“ (Kriegsereignisse) in Niederbayern (Metten) geboren, dann aber in der DDR aufgewachsen, so dass ich nie hingefahren bin. Erst Jahre nach der Wende war ich mit meinem Bruder dort. Gegenüber der berühmten Benediktinerabtei und meiner Taufkirche war eine Pension, die ausgebucht war. Mein Bruder meinte, ich solle trotzdem mal nach einem Zimmer fragen.
    Ich brav rein und mein Sprüchlein vorgebracht – allerdings verstand ich NICHT EIN WORT von der Antwort, aber ein Zimmer haben wir bekommen.
    Mein Aufwachsort Görlitz hatte auch Dialekt, aber verstehbaren, dennoch nicht schön. Seit 1970 in Berlin habe ich mich bemüht, nicht zu berlinern. 50 % der Kinder machen das auch nicht, die anderen 50 % um so mehr.

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    • Görlitz. Sagt man da auch immer „Ne“, wenn man „ja“ meint? 😀
      Berlin is ja ooch schön 😀

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      • In Görlitz sagt man „Komm ock“, wenn man „komm doch“ meint. Das mit dem „ne“ muss wo anders sein, dafür macht man „alles“ zu -el wie Bänkel, Häusel und so, nur Äpfel zählt nicht dazu.
        Ich habe noch nie „ick“ jesagt, da habe ick ma immer jeweigert.

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        • Ah, da wird also pauschal alles verniedlicht? Klingt sympathisch 😀

          Beim Berlinern gefällt mir am besten der Satz „Dit is jwd!“ (janz weit draußen. Meist ist damit irgendwas in Brandenburg gemeint. Oder Spandau. Was ja auch Brandenburg ist.)

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          • Ich dachte immer, Spandau wäre eingemeindet 🙂
            Ich bin schon seit 1970 in Berlin und kann keinen Görlitzer Dialekt mehr.
            Stimmt, „jwd“ sage sogar ich – sage bloß, das versteht nicht jede/-r?????

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            • Spandau is Brandenburg, eindeutig! 😀
              jwd hab ich zum ersten Mal beim Berlin-Besuch gehört. Definitiv 😉

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              • Spandau ist Brandenburg? Seit wann bitte das? Komme ja selbst aus Kleinmachnow, wäre mir neu, wenn Spandau nicht zu Berlin gehörte. Warum sonst heißt es wohl Berlin-Spandau? Auch Wikipedia hat dazu s/meine Meinung.
                Das „ne?“ für „stimmt’s?“ mit abfallendem e, also nicht „nee“, sondern wie das „e“ in Banane – ist das dialektisch? Ich versuch immer, das nicht durchkommen zu lassen, hätte aber nicht gedacht, dass es „Berlinerisch“ ist.

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                • Da ist ein regionaler Witz an dir vorbeigegangen:
                  Berliner sind der Meinung, dass Spandauer keine Berliner sind. Das reiben die „echten“ Berliner (also alle, die nicht im Spandauer Viertel wohnen) den Spandauern stets unter die Nase 😉
                  Natürlich ist Spandau Berlin! 😀

                  „Ne“ ist doch sächsisch, oder? Daher dachte ich, als Görlitzerin würde sie das auch sagen 😉

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                  • Achso! Ist wohl allgemein recht wenig Lokalkolort auf mich abgefärbt – wobei man sich desses manchmal auch versichern muss, man selbst sieht es ja meistens nicht.
                    Der Fehler ist mir auch schon aufgefallen, du hattest es ja in Görlitz verortet – vielleicht ganz allgemein ostüblich? Ich meine, als Kind habe ich auch noch „Broiler“ gesagt, das käme mir heute niemals über die Lippen.

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                  • Nu, ist sächsich und wird eher Nü gesprochen und heisst ja. Und nicht zu verwechseln: Berlinerisch und Brandenburgisch. Ebenso wie Thüringisch und Sächsisch (von Anhaltinisch mal zu schweigen). Wird hier unten gern durcheinander gebracht, was mich jedes Mal königlich amüsiert 😀

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  11. Paar mal herzhaft gelacht 🙂
    Klasse!

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  12. Pingback: Danke, Roe ! | wupperpostille

  13. Literblech finde ich gut! Messbecher waren schließlich mal aus Blech.

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  14. Herrlicher Artikel! 🙂 Ich kann gar nicht aufhören zu grinsen 🙂
    Ich habe null verstanden! Einfach herrlich, oder soll das echt was bedeuten? Ups, da sind ja Fußnoten.
    Deinen Vater solltest du vielleicht nur noch mit Untertitel oder zumindest mit Bodyguards raus schicken, sonst könnten die Mißverständnisse tatsächlich schnell überhand nehmen sozusagen. Wie kommt man denn von Harke auf „Puckkärschelche“?
    Dialekte nehmen ein einfaches Wort und machen einen Zungenbrecher draus, faszinierend.
    Und bitte klär mich (Österreicherin ohne deutsches TV) auf, wie man „jwd“ ausspricht? jewede, oder was?
    So, jetzt gehe ich Jemäs kochen – hihihi. Da glaubt meine Tochter, das ist was Neues und wird es vielleicht sogar essen.

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    • Tja, man findet meinen Vater tatsächlich häufig in Gesprächen mit Einheimischen. Allerdings redet dann immer nur er und alle anderen nicken verstört 😀

      jwd = jot-we-de. Wird tatsächlich nur als Abkürzung gesprochen.
      „Dit is jot we de!“

      Genau. Gemüse blöd, Jemäs toll 😀

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  15. Sehr erfrischend am Morgen, so kommt es mir öfters vor, wenn ich mal auf dem Markt bin und einfach nur zuhöre. Obwohl ich mit dem Dialekt aufgewachsen bin, frage ich mich manchmal, was da gerade gesprochen wird. 🙂

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  16. Einmalig, toll geschrieben. kommt mir nicht so ganz unbekannt vor…meine Eltern wollten auch nie , das ich Dialekt sprechen lerne. Man sprach Hochdeutsch. das war natürlich auch der Schule geschuldet, damals war Dialekt auch“ bah pfui“ in der Schule.

    Heute spreche ich ein wenig des rheinischen Dialekt wenn es sein muss, ich kann auch genauso oder besser den norddeutschen Dialekt von Pünktchen. Lustig wird es immer, wenn ich mit Rheinländern spreche, dann kommt unter Garantie“Sprich doch nicht so schrecklich norddeutsch“ während sich die Norddeutschen bitter beklagen“ kannst Du bitte das rheinische unterlassen, das verstehen wir gar nicht“ Witz dabei, ich spreche eigentlich immer gleich ein hochdeutsch mit Einsprengseln der jeweiligen Dialekte…LG Wortgetstoeber

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  17. Ich komm ja ursprünglich aus Brandenburg, spreche aber die meiste Zeit hochdeutsch. Wobei ich mir bereits einiges an Schwäbisch angewöhnt habe, was meinen Mann, einen gebürtigen Franken, gerne mal so richtig ärgert. Mir tut’s Töchterlein ja schon fast leid. Witzigerweise falle ich ins Brandenburgische, wenn ich so richtig auf 180 bin. Was während ich noch gearbeitet habe, ziemlich oft passiert ist. Auf die Aussprache achten tue ich seit meiner Zeit im Ausland. Wenn man die ganze Zeit nicht in seiner Muttersprache redet, wird selbige echt miserabel XD Ich hab zum Glück noch die Kurve bekommen.

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  18. Ist es nun gut, dass ich vieles verstanden hab? Und wusste das es entweder aus der Eifel oder dem Hundrück kommt? Ich bin mir da unsicher. . .

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  19. Hehe, ich hatte auf Hunsrück getippt … so schlecht war das ja dann gar nicht. Obwohl ich dachte, keinen (hessischen) Dialekt zu sprechen, ernte ich mit der Bitte nach einem Kneipchen oder einer Colter gerne mal hochgezogene Augenbrauen 🙂

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  20. Gut gemacht.
    Hochdeutsche Grüße aus dem Garten. 😀

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  21. Was haste denn da schon wieder verbrochen?!
    Ich hab´s versucht, meinem Mann vorzulesen, weil mir das ähnlich seiner Sprache schien….
    Er sagte völlig verzweifelt, ich solle das mal besser sein lassen.
    Und dann kam ich nicht drauf….

    Aber ich liebe Dialekte und ich fände es unsagbar schade, wenn sie verschwänden.
    Dafür müßte es extra ein Schulfach geben.
    Danke wieder für die Lachanfälle 🙂

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  22. Super, richtig klasse. Man habe ich gelacht. ich kenne ein paar Dialekte, und die Leute natürlich, die sie sprechen. Deshalb konnte ich ein klein wenig verstehen. Aber klasse geschrieben!!! Daumen hoch!

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  23. Saarländisch, gell? – war bis zum Schluss gespannt, ob es aufgelöst wird. 😉

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  24. hmhmhmhm rainrunnerlein… also dat beste äflerplatt war dat uch nimmi wat dau lo zum besten guufst 😀 bist wohl schon bissi lang raus. hrhrhrhr oder ich vergleich das zu sehr mit moselfränkisch . aber war trotzdem suuupie hihiii

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  25. Also i han älles verschtanda! Hi, hi! Super geschrieben. Ich tippe auf saarländisch oder irgendwo aus der Ecke! Falsch? Dann klär mich auf. Aber „Grumbiera“ heißen Kartoffeln auch im Schwäbischen, jedenfalls bei denen, die noch voll Dialekt sprechen. Ich könnte es, tu es aber äußerst selten bis gar nicht, denn im Pott würde mich sonst niemand verstehen. Bei mir in der Heimat spreche ich noch gerne schwäbisch mit Bekannten, Familie oder Freunden. Aber heute verschwindet der Dialekt immer mehr. Viele schämen sich, Dialekt zu sprechen. Warum verstehe ich nicht. Da lobe ich mir die Bayern! Die ziehen das gnadenlos durch 😀

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    • Eifel. Passt also zu Saarland.
      Die Franken sagen meines Wissens nach auch Grumberen. Scheint also zumindest ein verbreitetes Wort zu sein. 🙂

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      • Und „Äbbiera“ (von Erdbirnen). Ja, Dialekte sind unglaublich vielfältig und haben oft mehrere Ausdrücke für ein und dasselbe hochdeutsche Wort. Das finde ich super. Wusstest du das Erdbeeren von den Schwaben auch „Bräschdling“ genannt werden und Bräschdlinggsälz also Erdbeermarmelade ist. Ist übrigens einer meiner Lieblingsmarmeladen 😀

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        • Wobei alles sinniger klingt, als „Erd“beere, oder? Sie wächst doch gar nicht in der Erde 😀

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          • Hä? „Äbbiera“ heißt Kartoffeln und wörtlich übersetzt: Erdbirnen – statt Erdäpfel. Weiß nicht warum.
            Bräschdling heißt Erdbeeren. Nö, die wächst nicht in der Erde, aber das sagt das Wort ja auch nicht aus. Woher dieses Wort kommt, das weiß wohl keiner. Der Schwabe sagt aber auch zu NASEN, die nicht gerade wohl geraten sind oder aufgrund unmäßigen Alkoholgenusses rot aussehen. „Ha Mensch, der hod aber en Bräschdling em G’sicht“. Alles verstanden? Grüßle und schönes Wochenende! Sigrid

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          • P.S. So, noch mal ich. Erdbeere, ja, ich verstehe jetzt was du meinst. Erdbeeren wachsen halt sehr nahe am Erdboden, so nah, dass ich früher Stroh ausgelegt habe sobald sie blühten, denn bei Regen fingen sie sonst viel zu schnell an verderben und auch Schnecken kriechen nicht so gern über Stroh. Heute wachsen die aus Folien raus, ganz „erdfern“ und bleiben deshalb sauber, aber früher in großen Beeten hingen die oft unten und lagen auf der Erde auf….. Als noch alles ganz natürlich zuging – bei Omma! Ja, ja – lang ist’s her! Grüßle

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  26. Ich lieg unterm Tisch vor lachen – absolut klasse 😀

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  27. … ich bekennende Ex Hessin finde mich in vieles hinein, aber du hast mich an verbale Grenzen gebracht… ;-D

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  28. Einfach nur klasse! 😀 Ich habe so herzhaft gelacht und grinse immer noch!

    Ich bin in Hessen geboren und lebe schon über 20 Jahre in Niedersachsen…ich kenne die netten kleinen Verständigungsgeschichten gut. Ich verstehe fast Alles wenn bei uns Platt gesprochen wird…und liebe diese Sprache, aber spreche selbst nur einzelne Worte.
    Denn ich kann mir vorstellen, das es sich gruselige anhört, wenn *e Hessemädsche uff einmol Platt schnakt* 😉
    Auch meine Schwiegermama ist solch ein Sprachgenie…sie spricht in einem Satz Platt und Hochdeutsch; je nachdem, wen sie anschaut.
    Ich habe bei deinem FamilienDialekt auch an das Hunsrück gedacht, denn die *Grumbern* kenne ich von einer Freundin meiner Mutter….

    Danke für diesen wunderbaren Einblick in ein ganz normale Familie
    Liebe Grüße
    Gabi

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  29. hallo! habe ich mir einen abgelacht… deinen dialekt habe ich nicht erkannt, in der eifel war ich nur ein einziges mal. bin im schwabenland aufgewachsen, aber in der familie wurde hochdeutsch gesprochen. sogar noch in der oberstufe, gymansium tuttlingen, wurde ich als die ‚intellektuelle‘ bezeichnet. trotzdem habe ich eine vorliebe fuer dialekte. dein ‚eio‘ gibt’s sogar in sardinien als ‚ajo‘. Tè salùdi

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  30. Eigenlich ist schon alles gesagt an Kommentaren.

    Es rächt sich, wenn man „mal nebenher“ den Beitrag vom vergangenen Freitag lesen und liken will. Und gut ist.
    Der halbe Vormittag ist im Eimer.
    Wegen des köstlichen Artikels und der anderen Kommentare.
    Ich danke für die gute Unterhaltung.
    Mein Espresso ist über den Tisch geflossen. Siehe oben. Für Ersatz wurde gesorgt. Danke.

    Manfred Spitzer sagt, dass der Erwerb einer Fremdsprache den Eintritt von Alzheimer um Jahre hinausschieben kann. Mehr als das die bisher bekannten „besten“ Arzneimittel wohl vermögen.

    Ich habe mir in den vergangenen Monaten verwundert die Augen gerieben. Da haben Verlage und Bildungseinrichtungen (JETZT ERST) „Deutsch als Fremdsprache“ entdeckt. Dabei sind sie unter uns. Die, deren jede gesprochene Silbe ein coming out ist. Unterdrückt und gefoltert von den todbringenden (ich zitiere richtig? nachobenguck) Blicken derer, die das Glück hatten, in der Grundschule den Duden von 1949 lesen zu dürfen statt „Der Bär Pu“. Die, die nur von ihren Eltern angerufen werden müssen, um sich auf verräterische Weise von selbigen zu verabschieden. Alla gud!

    Einen polyglotten Tag weiterhin!

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  31. Kreisch! XD Ärschelchen werd ich sofort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen.

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  32. Ich ernte immer großes Gelächter, wenn ich das für mich selbstverständliche Wort „Rausgeld“ verwende – muss ein süddeutscher Einschlag durch meine schwäbelnd/hochdeutsch-sprechende Mutter sein. Dabei weiß ich immer gar nicht, was die haben, Rausgeld ist viel logischer als Rückgeld: schließlich bekommt man doch Geld „heraus“ und nicht das Geld, was man gegeben hat, „zurück“! 😉

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