Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

102 | Toys are theirs

14 Kommentare

Meine beste Freundin Ramona hat letzten Sommer eine Tochter bekommen.
Lexi ist jetzt knapp ein halbes Jahr alt und befindet sich in einer Phase, in der sie ihr Revier mit Spucke markiert. Ramona bestätigt, dass 85% der Einrichtung ihres Hauses bereits von Lexi abgeschmeckt wurde.

Ich hätte nicht erwartet, dass ich als Kinderlose noch einmal tiefer in das Universum des Kinderspielzeugs hineinrutschen würde, aber die Rolle der Adoptiv-Stief-Tante nehme ich ausgesprochen ernst und daher machte ich mich auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken für Lexi.

So kam es, dass ich im gehobenen jugendlichen Alter mit pädagogisch (hoffentlich!) wertvollem Holzspielzeug über meinen Schreibtisch rollerte, akribisch Pixie-Baby-Bücher durchlas, mit Rotstift Worte unterringelte und rechts an den Rand „! Ausdruck !“ schrieb, um die Büchlein danach an den Hersteller zurückzusenden.
Ebenso durfte man mich dabei beobachten, wie ich eine viertel Stunde lang eine überraschend winzige Baby-Rassel in der Hand hin und her schwang, um herauszufinden, ob der Ton laut genug ist, dass Lexi ihn gut hören kann, aber nicht so laut, dass Ramona nach einer Stunde Dauerbeschallung durch die geschlossene Balkontür läuft.

Beim Spielsachen-TÜV kamen natürlich auch Erinnerungen an meine eigene Kindheit hoch:
Meine erste Puppe hieß Peter und war anatomisch korrekt ausgestattet: Peter hatte Nippel, Hoden und einen Penis. Allerdings zweifelte ich bereits damals das Verhältnis vom Genital zur Größe des Puppenkindes an. Des Weiteren hatte die Harnröhrenöffnung – man konnte Peter das Fläschchen geben und er machte in die Windel (vorausgesetzt, dass man zuvor eine solche am Unterleib installiert hatte, sonst viel Spaß!) – exorbitante Ausmaße: Hätte ein echter Mann eine solche Harnröhrenöffnung, würde er beim Urinieren einen Gartenschlauch in der Hand halten.
Immer, wenn ich Peter mit in die Badewanne genommen hatte, pinkelte er zwei Tage straight durch. Daher befahl meine Mutter, dass Peter nach jedem Baden immer ein paar Stunden neben der Heizung auf seinem Puppentöpfchen verbringen musste, um diesen Vorgang etwas zu beschleunigen…

Meine erste Barbie bekam ich erst Jahre später geschenkt.
Da ich zu dieser auch etliche Kleidungsstücke erhalten hatte, wurde die langbeinige Dame erst einmal entkleidet. Bereits im Prozess stellte ich fest, dass die vermeintliche Frau gar keine Nippel besaß, wie ich das von Peter kannte und nun von allen Puppen erwartete. Beim Spreizen der Beine bemerkte ich, dass auch keine Vagina vorlag. Entsetzt schaute ich meine Mutter an, die drucksend erklärte: „Ähem, naja, das ist ja eine viel kleinere Puppe und da kann man nicht so ins Detail gehen!“
Als der Barbie dann noch versehentlich der Kopf abfiel, war die Sache für mich endgültig erledigt. Psycho!
Nicht PC-Ballerspiele sind es, die Menschen zu Amokläufern machen, sondern Puppen, denen einfach so die Köpfe abfallen!

Lexi hat sich dann übrigens für die Rassel entschieden. Klassiker gehen halt immer…

Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

14 Kommentare zu “102 | Toys are theirs

  1. Du hattest eine Penispuppe? Meine hieß Axelinchen und war ein Bestechungsversuch meiner Eltern, damit ich nicht eifersüchtig auf meinen gerade mühsam von meiner Mutter in die Welt beförderten Bruder wurde. Axelinchen war ein Alien oder ein Engel, jedenfalls nix, das biologisch irgendwie geschlechtstypisch zu verorten gewesen wäre. Axelinchen war ein Es und gegen meine Eifersucht völlig nutzlos. Doch es konnte pillern. Immerhin…;-)

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich hatte dieses ganze Big Jim Gedönse und wenn denen nicht freiwillig der Kopp abflog, wurde eben nachgeholfen 😀

    Gefällt 2 Personen

  3. 🤔 Nr. 2 bekam neulich eine Puppe vermacht, die von Nr. 1 (4) auch sofort auf anatomische Korrektheit untersucht wurde. Sowieso scheint das in dem Alter gerade ein heißes Thema. Nr. 2 interessiert das wenig – hier beginnt gerade das Abschmecken der Umgebung. Scheiss auf Rasseln und Co. dafür kann sie alle Schnuffeltücher an der Textur erkennen und lacht, wenn sie das „Klick“ von meinen Still-BHs hört…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s