Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

103 | Gender Studies

24 Kommentare

Letztens im Gespräch mit meiner Kollegin Luise.
In der Firma wird von einigen verlangt, dass bei Neueinstellungen nun darauf geachtet wird, dass die zukünftigen Mitarbeitenden neben Deutsch auch gutes Englisch sprechen. Diese Forderung kam aus dem Mund eines Kollegen, der dies verglich mit: „Das wäre ja so, als würden wir nur Männer einstellen und Frauen auslassen!“ Luise blickt mich – gerade im 2. Monat meines neuen Jobs und aufgrund des Gesagten nun mit leicht in den Haaransatz gewanderter Augenbraue – an und sagt schnell: „Das war nun wirklich ein dummer Vergleich von ihm und äh, eigentlich ist er ja nicht so, aber…“ – „Moment mal“, unterbreche ich Luise scharf: „Also, ich kann ja zusätzlich zu meiner Muttersprache noch eine WEITERE Sprache dazulernen und diese weitere Sprache dann situationsabhängig einsetzen und auch jederzeit zwischen den Sprachen hin- und herwechseln! Heißt das, ich kann mir auch ein weiteres Geschlecht wachsen lassen und dieses dann situationsabhängig einsetzen und immer mal hin und herswitchen?!“ Luise blickt mich mit großen Augen an und ich höre in meinem Kopf meinen Freund Musa zu mir sagen: „Bitte benimm dich in neuen Jobs nicht immer schon am ersten Tag wie das, was du als ’normal‘ bezeichnen würdest!“
Aber ernsthaft: Stellt euch vor, ihr könntet euch zu eurem Geschlecht noch den Gegenpart (oder etwas ganz anderes!) wachsen lassen und das jeweils einsetzen, wann, wo und wie ihr wollt!

Ich würde einen Penis immer auf der öffentlichen Toilette einsetzen wollen! Mich einen hygienischen halben Meter vor’s Pissoir stellen, nichts anfassen müssen, außer mich selbst. Ein Traum für Kabinenbenutzer!
„Naja…“, werden jetzt einige Männer bestimmt sagen: „Halber Meter… In welcher Pornofantasie bist du denn hängengeblieben?!“ Während eine weitere Gruppe Männer vermutlich protestierend einwerfen wird: „Halber Meter ist ziemlich realistisch, wenn man bedenkt, wie’s um die Pissoirs überlicherweise aussieht…“

Überhaupt das Thema Notdurft-Verrichtung! Nie wieder beim Wildpinkeln die Hose ausziehen und den weißen Spiegel in die Landschaft halten müssen, nur um danach von der Blässe der eigenen Oberschenkel geblendet zehn Minuten halbblind durchs Unterholz zu irren. Ich schwöre so wahr ich hier sitze, beim letzten Wildpinkeln hab ich einen Fliegenpilz und einen Hirsch über mich lästern und lachen hören!

Auch hätte ich mir mein Slowenien-Trauma ersparen können!
Damals, ich war 15, meine Eltern bekannte Autourlauber und wir unterwegs Richtung Kroatien. Ein Stau auf der Autobahn in Slowenien.
Irgendwann forderte die Natur ihren Tribut, doch ich traute mich trotz des nur gemächlichen Verkehrsflusses nicht, das Auto zu verlassen, da ich nicht nur fest davon überzeugt war, dass sobald der Stau sich auflösen würde, meine Eltern mich im Gebüsch zurücklassen und zügig fortfahren würden, nein, mein Herr Vater hat mir dies sogar ausdrücklich bestätigt.
Nach über 1,5 Stunden löste sich der Stau dann tatsächlich endlich auf und mein Vater steuerte auf meinen lieblich geäußerten Wunsch hin („WENN DU NICHT SOFORT RECHTS RANFÄHRST, PISS ICH DIR ALLE SCHONBEZÜGE VOLL!“) den erstbesten Rastplatz an. Eigentlich war es mehr eine Parkbucht, und zwar von der Art, wie man sie häufig in Hollywood-Filmen sieht, kurz bevor irgendein Auto über eine Klippe stürzt und dank des Einsatzes von Pyrotechnik stuntreif in seine Einzelteile aufgelöst wird. Den einzigen „Sichtschutz“ der Brachfläche bot ein ca. 30cm hoher Baumstumpf. Es war mir egal. Es musste mir egal sein, wollte ich nicht einnässen. Ich zog also die Hose runter, drehte mich mit dem Gesicht von der Straße weg, präsentierte nun den noch immer in großer Zahl vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmern meinen jugendlichen Allerwertesten und wurde umgehend mit Pfiffen und Ausrufen in der mir zum Glück fremden slowenischen Sprache bedacht. Ich rollte genervt die Augen und seufzte nun erleichter(n)t vor mich hin. Etliche Meter entfernt stand meine Mutter mit Sonnenbrille und Zigarette wie eine Diva der 20er Jahre ans Auto gelehnt und kommentierte die sich ihr darbietende Szenerie lautstark mit: „ICH KANN BIS HIERHIN DEINEN TÜRKISEN TAMPONFADEN LEUCHTEN SEHEN!!!“
Einem Mann wäre das sicherlich nicht passiert…

Aber beim Sex? Da wäre ich dann doch lieber eine Frau.
Die weibliche Klitoris besitzt mit ca. 8.000 Nervenenden nicht nur doppelt soviele wie ihr männlicher Kollege die Eichel, Frauen sind auch zu multiplen Orgasmen imstande. Damit gemeint ist in kurzen Zeiträumen. Und nein, mehrere Stunden oder gar Tage sind kein „kurzer Zeitraum“…

Eigentlich ungerecht, oder? Eine faire Verteilung wäre doch, wenn der Probant mit dem intensiveren Orgasmus nur einen einzigen, der mit dem weniger lustvollen Erlebnis zumindest derer mehrere erfahren dürfte, quasi als Ausgleich.
Das ist ja so, als ob eine Frau und ein Mann ins Restaurant gehen und der Kellner serviert ihr ein zwei Pfund schweres Kobe Steak, dazu einen Suppenteller voll Kräuterbutter, eine vier Pfund starke Folienkartoffel mit einem Fünf-Liter-Eimer Sauerrahm, und wenn der Mann an der Reihe ist, beugt sich der Ober mit ernstem Blick zu seinem Tablett, stellt einen Fingerhut vor dem Mann ab und spricht: „Hier, mein Herr, haben wir Ihre Instant-Hühnerbrühe. Wohl bekomm’s!“
Nee danke, echt nich!

Luise blickt mich mittlerweile kritisch an. Ich räuspere mich und füge an: „Ja, so ein Sexist aber auch…“

Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

24 Kommentare zu “103 | Gender Studies

  1. Dich hätten Deine Eltern nie irgendwo stehen/sitzen lassen…. Oftmals ergreife ich die Flucht aus öffentlichen Toiletten( Ort des Grauens) Da wünsche ich mir den Schniedelwutz um bequem pinkeln zu können, denn da reicht ein Bäumchen, wie beim Hund.. Danke, für diesen sehr erheiterten Beitrag, wenn denn das Wetter schon so traurig ist.. bleib gesund 🙂

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  2. Also das mit dem halben Meter üpberschätzt du maßlos, denn der Durchschnittspenis des Deutschen ist nicht nur kurz, er hat auch eine Vorhaut, weshalb ab etwa 10 Zentimeter Abstand, von egal was, üblicherweise alles daneben geht, was da so an gelblicher …, aber lassen wir das unabtetitliche Thema und ich versichere dir nur noch, dass auch Männer multiple Orgasmen bekommen können und ich nie 2 kg Steak geschafft habe und, äh, wie war noch mal die Eingangsfrage? …

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  3. Lästernde Hirsche und Fliegenpilze – Danke für die Bilder ❤

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  4. … ein interessanter *sexistischer Spannungsbogen*…

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  5. 2kg Steak? Plus Kartoffel?
    Da wird doch der Orgasmus quasi als Dessert serviert……

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  6. Ich hatte mich ja gefragt, ob ich mal wieder öfter in WordPress reinschauen sollte… den Beitrag gelesen – gelacht – Entscheidung getroffen. Ganz großes Tennis. Sag Bescheid, wenn dein Alltag verfilmt wird – schau ich mir dann auch an 😀

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