Roe Rainrunner

Rainrunning at its finest

111 | Aktfotos

43 Kommentare

Es ist mal wieder so weit: Ich muss mir einen neuen Job suchen.
Ja, schon wieder. Hintergrund sind Arbeitsrechtsverletzungen und Schikanen seitens meiner Führungskraft nach einer psychischen Erkrankung meinerseits, aber das ist eine Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.

Heute also auf der Tageskarte: Bewerbungsfotos.

Ich hab meinen alten Fotografen geliebt. Er war kein Mann großer Worte. Man kam rein, er zeigte kommentarlos auf einen Spiegel, drappierte einen danach auf einem Mix aus Stehleiter und Klapphocker: „ZiehnSemaldenKragengrade!“, gefolgt von: „Lächeln. LÄCHELN! Mehr. MEEEHR, HAB ICH GESAGT!“ Er schoss ein Foto, das war’s.
Dann durfte man ihm an den Mac folgen, wo er einem eine Auswahl von 40 Fotos von sich zeigte – kein Plan, wie er das gemacht hat, Zauber-Camera? Er zog immer zwei Bilder nebeneinander und sagte: „Links oder rechts?“ Auf diese Weise ließ er einen aussortieren, bis man das schönste Foto identifiziert hatte. Im Anschluss retuschierte er in Windeseile: Gesichtsfarbe und Hautbild verschönern, Licht-Spiegelung in der Brille entfernen, den Kragen doch noch virtuell geraderücken, die Bluse optisch „bügeln“, abstehende Kopfhaare wegsplissen. Dann nickte er zufrieden und sagte den für ihn unerwartet langen Satz: „CD oder USB-Stick? Bevor Se antworten: hamse Laufwerk?“
Man benötigte in seinem Laden genau 5:28min von „Hallo, ich hab einen Termin“ bis „Macht 20 EUR“ und hielt beim Verlassen einen Datenträger in der Hand, auf dem man so gut aussah, wie man nie zuvor in seinem Leben ausgesehen hatte und auch den Rest seines beschissenen Lebens niemals aussehen würde.
Ich hab ihn geliebt.
Und dann kam Corona und hat ihn mir genommen (er lebt schon noch, aber der Laden ist leider geschlossen).

Also muss ich heute in ein anderes Fotostudio.
Ich bin von Fremden ja nicht begeistert, also so grundsätzlich.
Meine beste Freundin sagt immer: „Der Fremde ist ein Freund, den du noch nicht getroffen hast.“ Ich korrigiere dann stets: „Der Fremde ist ein Feind, den du noch nicht erschossen hast.“
Entsprechend gutgelaunt und aufgeschlossen mache ich mich auf den Weg.

Im Studio angekommen, darf ich nach kurzer Wartezeit eintreten und werde von der Fotografin in einen garderobenartigen Raum geführt und bekomme in ausschweifenden Worten erklärt, mich hier zurechtmachen zu können. Ich fahre mir einmal mit der mitgebrachten Bürste durch die Haare und warte.
Wieso ich so lange alleine gelassen werde, weiß ich nicht. Glaubt sie, je mehr Zeit sie mir gibt, desto mehr kann ich noch richten? Die Erfahrung sagt: Besser wird’s nicht.

Sie kommt zurück: „Bewerbungsfotos, ja? Als was bewirbst du dich denn?“ Ich finde es immer noch sonderbar, einfach geduzt zu werden – fühle mich gleichzeitig aber entsetzlich alt, wenn ich gesiezt werde. „Ähm, als Technischer Supporter…“ – „Was ist das denn?“ Frag ich mich auch jeden Tag… Ne, ernsthaft, das sind die Wahnsinnigen, die du anrufst, wenn dein überteuertes Photoshop nich funktioniert – ironisch, dass ich das tatsächlich vor vielen Jahren mal gemacht hab.
Hab ich nicht gesagt. Nachher hatte ich sie echt mal am Telefon und sie schießt absichtlich nur noch Fotos von meinen Füßen…

„Was ist denn deine Schokoladenseite?“ Ich brummele: „Sehen beide gleich doof aus…“ Sie lacht aufgesetzt und meint dann, wir könnten ja testweise mal beide fotografieren.
Innerlich hoffe ich inständig, dass sie dabei irgendwo eine bislang versteckte dritte Seite findet, die mehr hergibt.

Nach kurzer Hintergrund-Auswahl werde ich in einen Nebenraum geführt – komplett dunkel. Kann mir einer erklären, wieso man bei Fotografen immer im Darkroom steht? Nutzen die den nach Feierabend noch für andere „Nebenjobs“ und wollen sich keine Mühe mit dem Umbau geben? Oder geht es einfach darum, eine möglichst künstliche Licht-Atmosphäre zu schaffen, quasi aus Datenschutzgründen, damit einen die potentiellen Arbeitgeber im normalen Tageslicht ja nicht erkennen können?!

„Stell dich mal dahin.“ Ich tue, wie geheißen. „Und jetzt Augen zu“. Was, wieso denn? -BLITZ- Waaaah, ich bin blind! „Und jetzt nochmal zu!“ Was, oh Gott! Ich blinzele verzweifelt.

„Also dein Shirt geht mal gar nicht. Man kann dir in die Brüste schauen.“ Entschuldigung, bitte was?! Ich trage ein Oberteil mit engem, aber etwas tieferem Ausschnitt, das den Ansatz des Ansatzes der beiden glatzköpfigen Gentlemen andeutet. Wow… Ja, wie gut, dass ich noch weitere 14 Blusen zum Wechseln und Durchprobieren dabei habe. Nicht.
„Zieh den Ausschnitt mal höher. Noch höher. Ganz, ganz hoch!“ Hervorragend, ich trage nun die Unterbrust-Naht des Shirts direkt unter dem Kinn. Mutter Teresa wäre stolz auf mich…

„Deine Haare sind irgendwie auch viel zu dunkel…“ Ja, dafür hast du ja das Photoshop. Damit kannst du aus der pummeligen Brünetten gern eine schlanke Blonde machen – auf den Bewerbungsunterlagen schreibe ich einfach unter das Bild: „Abbildung ähnlich“. 
Leicht genervt stehe ich zwischen Kunstlicht und Rollo-Hintergrund.

„Wir machen ein Testbild.“ Es knippst. „So, es geht jetzt los. Lächel mal.“ Es knippst und knallt wie auf dem roten Teppich.
„Also irgendwie wirkt dein Lächeln noch sehr verkrampft.“ Mensch, woran das wohl liegt? Ich blecke die Zähne. „Ja, bisl künstlich noch, hm…“ Es knippst und knallerbst weiter.
„Du siehst auch so müde aus. Und deine Augen sind so klein!“ Lady, ich wurde damit geboren!
Ich reiße die Augen auf und zeige die Zähne wie ein tollwütiger Wolf. „Schon viel besser“. Es folgen weitere 300 Fotos. „Du bist noch bisl steif und könntest dich mehr bewegen.“ Bin ich hier bei Germany’s Next Topmodel!? Zumindest hat sie schon mehr Fotos gemacht als die in einer ganzen Staffel abliefern müssen!

Sie schießt noch weitere 800 Fotos von meiner anderen Gesichtshälfte und endet mit: „Also ich würd sagen, vier Versuche noch und dann…“ ich füge in Gedanken an ‚… geb ich einfach auf, weil das mit dir hier eh nix mehr wird.‘
Sie endet und seufzt erleichtert – und ich bin froh, mein Gesicht einfach wieder in seine natürliche Schnute falten zu dürfen.

Wir wechseln an den PC. Sie erzählt mir von ihrem Tag. Der Windows-PC besitzt scheinbar einen Auto-Logoff, der nach etwa einer Minute aktiv wird. Während sie erzählt, muss sie sich vier Mal (!) neu einloggen.

Dann können wir uns endlich das glorreiche Ergebnis ansehen. Alles, was mir einfällt ist: ‚OhGottohGott‘, einfach zum Kotzen. Mein Gehirn überlegt, ob’s am verschobenen Dekolleté, dem künstlichen Licht oder einfach an mir liegt – ich bin ja kein großer Fan von meinem Aussehen. Aber so auf 300% gezoomt ist’s in seiner Ganzheitlichkeit eine ziemliche Katastrophe.

Wir versuchen, die Fotos auszusortieren. Dabei stelle ich fest, dass sie einen vollkommen anderen Geschmack hat als ich: „Hier hast du eine Augenbraue hochgezogen, das wirkt doch pfiffig?“ Ne, das wirkt, als ob ich mächtig einen an der Klatsche habe – das ist zwar vollkommen korrekt, müssen potentielle Arbeitgeber aber nicht sofort wissen.

Das Foto mit den Anime-Augen und dem Zahnpasta-Modell-Lächeln taucht auf dem Bildschirm auf. Sie findet es klasse. Ich merke an, dass ich wie ein Psychopath aussehe. „Aber du hast doch so schöne gerade und wunderbar weiße Zähne, zeig die doch!“ Ich hab auch wunderschöne Titten und durfte sie trotzdem nicht zeigen, also was!?

Ich setze meinen Kopf durch und entscheide mich schlussendlich für ein Foto, das sie als „etwas zu ruhig“ bezeichnet. Vielleicht hat sie vergessen, dass es sich um ein Bewerbungsfoto für die IT-Branche handelt und nicht um ein Titelshooting für’s Fallschirmspringen…

Sie fügt an: „Also… viel retuschieren würd ich da jetzt nicht. Vielleicht die abstehenden Haare bisl weg, aber ansonsten ist’s okay.“ Ich nicke verunsichert, da ich nicht weiß, ob das ein gutes Zeichen ist, weil ich vielleicht doch nicht ganz so extrem verändert werden muss oder ob alles in allem so eine Voll-Katastrophe ist, dass Retusche auch nichts mehr richtet. Sie unterbricht meinen Gedanken: „Für die Retusche benötige ich nun noch vier Tage.“ WAS?!

Ich werde 48 EUR los und höre in meinem Kopf Heidi Klum mit ihrer Quietsche-Nerv-Stimme sagen: „Ich habe heute leider KEIN Foto für dich!“

Ich bin gespannt, was mich in vier Werktagen erwartet…

Autor: roerainrunner

https://roerainrunner.wordpress.com

43 Kommentare zu “111 | Aktfotos

  1. Ich würde mal behaupten, die Bildzeitung hat schon bei Dir angeklopft, wegen Foddo auf Titelblatt ?? Dank des Beitrags konnte ich schon mal morges lachen…
    LG
    Sibylle

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  2. Wie immer hast du es geschafft ein komplettes Comedy-Programm aus einem Ereignis heraus zu holen, aber ich bin Fotograf und könnte jetzt stundenlang über manche Kollegen heulen, aber Schwamm drüber. Übrigens, für 20 oder 48 Euro würde ich nicht mal die Kamera anschalten, dafür mache ich dann aber Bilder, die nicht vier Tage lang überarbeitet werden müssen 😉

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  3. Liebe Roe,
    Das Drama pikant mit roeskem Rainrunner-Humor gespickt- genau so lese ich Dich gerne. Und auch wenn die Bilder jede Menge Nervenschmalz und teuer Geduldschmiere kosteten, wünsche ich Dir einen Job, in dem Du Wertschätzung und Fairness erfährst, dies in Verbindung mit einem netten Kollegenkreis, einer kurzen Anfahrt, einem schönen Einkommen und 100 Werktagen Urlaub, mit Dienstwagen mit Chauffeur und und…
    Aber ok, ich darf ja so ein Minibisschen idealistisch sein, weil ich eine Fee bin…😎
    Alles Gute für Dich ❣️
    Amélie

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    • Danke dir für das Kompliment.
      Wann kann ich unter diesen Arbeitsbedingungen bei dir anfangen? 😀

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      • Feen wie ich müssen alles alleine machen. Kosmische Elementarwesengesetze, Feenethos, usw. Ich darf nicht mal einen Regenwurm beschäftigen. Also bezahle ich die Würmer schwarz. Mit ungetorfter Gartenerde.
        🙈🧚‍♂️

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        • Erfüllen Feen Wünsche? Aber ich glaube, dann würde ich mir Unabhängigkeit von weltlichen Beschäftigungsverhältnissen wünschen 😉

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          • Ja, das glaube ich Dir sofort…
            Und Wünsche erfüllen ist eins von zig Aufgabengebieten auf der Fee-Arbeitsagenda. Denn die Hauptarbeit der Feen besteht in der Aufrechterhaltung des elementaren Weltgleichgewichts. Und es gibt eine eklatante Feenflucht. Viele Feen wollen heute viel lieber Einhörner werden und denken, so ein Weltgleichgewicht bräuchte es gar nicht.
            Aber ich will ja nicht jammern. Feen sind ein reiner Frauenverein – ein hierarchiefreier und paritätischer Gegenentwurf zur katholischen Kirche, die sich heute selber feiert. Es besteht also vielleicht noch etwas Hoffnung für den Beruf „Fee“. Allerdings wollen Männer nie Fee werden – ist genauso wie mit Erzieherin. Tja…und dann keine Bezahlung, schon als Kind jede Menge Üben und Lernen und Biounterricht, Elementarwesenwissen studieren, beim Fliegen, Schweben und Entmaterialisieren zigmal abstürzen, verpuffen oder sich versehentlich atomisieren…pfffff…und das alles auch noch ehrenamtlich für den guten Zweck…ja wer will denn sowas machen und sein..?
            Ok. Ich.🙈
            Herzliche Grüße
            Amélie

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  4. Ach, das wäre schön! Feen, Kobolde, Gargoyles, gute Geister… Habt eine schöne Zeit….
    Sibylle

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  5. Drücke dir ganz feste die Daumen für eine erfolgreiche Bewerbung in ein gutes Arbeitsklima, du Frau mit schönen Zähnen und tiefen Dekolleté 😉

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  6. Mauuu wir auch.Mami mag kein Fotos von sich,die nimmt immer eines das mal was geworden ist vor meiner Geburt,das hat nen Bankmensch gemacht für ihre Kreditkarte, die gibts schon lange nicht mehr das Foto allerdings schon.Schnnuuuur Felix

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  7. Ach, das ist doch wirklich wieder gequirlte Kacke. Ich mein nicht das mit dem Foto, das ist sehr unterhaltsam, aber die Tatsache, das due schon wieder auf Jobsuche bist. ERinnert mich an die Zeit um 2000 (ist das in ECHT 20Jahre Her?) , da war das bei mir ähnlich. Und nur ausgenutzt zu werden, das widerstrebte mir. Gut, meine jetztige Chefetage hat auch so Anwandlungen, aber zum Einen hab ich mittlerweile ein flauschig, kuschlige Fell, zum andern die „unschöne“ Gabe, meiner direkten Vorgesetzten regelmßig so viel Strick zu reichen, das die sich drin verfitzen kann. Den Betriebsrat freut es.
    Wieso weiß die von der Art deiner Krankheit?
    Ich mein, alles was inter F84 usw. luft ist zwar dem psyschichen zugegeordnet, bei meinet letzten Krankschreibung gings aber einfach nur um die Tatsache, das ich keine zwei Stunden mehr am Stück geschlafen hab.
    Kann ich was für dich tun? Kekse? Schnaps? Glas Wein? Kirschen ausm Garten? Zucchini? ……..

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    • Tschuldige mal die Wechsstabenverbuchsler, seit dem Müller-Thurgau auf Tastatur – Event klemmt hier bssi was.

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    • Wurde mit Arbeit überhäuft, hab klar gesagt: Wenn’s so weitergeht, krieg ich irgendwann Frust, Motivationsverlust und schlimmstenfalls Burnout. Führungskraft sagte „Du musst Lösungen finden“ und fügte im Gehaltsgespräch an, dass die Tatsache, dass ich keine finde, eine Art Charakterschwäche von mir sei. Witzig, denn a) dass ich soviel Arbeit hab hängt damit zusammen, das in der gesamten Firma Personalmangel herrscht – welche Lösung soll ICH dafür finden, und b) wofür hab ich ne Führungskraft, wenn ich selbst noch Lösungen neben meinen normalen Supportaufgaben suchen soll?
      Des Weiteren hat die Teamführung (zwei Leute) mich regelrecht vom Rest des Teams isoliert – schon ab 5. Arbeitswoche: „Red nicht mit den Entwicklern, die müssen konzentriert arbeiten. Nerv deinen Chef nicht, der hat viel zu tun. Wenn du was brauchst, stell mir einen Termin ein – aber denk dran, Woche Vorlauf.“ Ab der FÜNFTEN Woche, wo ich nicht mal eingearbeitet war!!
      Dieses „mich allein lassen“ + „Teamführung sind die Probleme egal“ führte dann wie erwartet wegen völliger Überlastung ins Burnout.
      Als ich nach mehrwöchiger Krankschreibung zurückkam, hatte Chefchens fragiles Ego wohl mächtig Kratzer bekommen: Wurde grußlos „wilkommen geheißen“ mit „Wir ham Termin Vororttermin, wo bist du?!“ (bin coronaunabhängig 100%-Homeoffice angestellt).
      Mja, dann drei Vorwürfe im „Fürsorgegespräch“:
      1. Arbeitsrechtliches: Hat mir vorgeworfen, hätte ihm sagen müssen, was ich habe (nein), wie lange ich in Summe krank bin und nicht nur vorläufige Krankschreibung (nope), hätte während meiner Abwesenheit seine Nachricht im Arbeitschat lesen müssen (nö) und ebenfalls den Vorort-Termin in Outlook sehen müssen (äh, ne?).
      2. Stichwort „Fürsorge“: hat mich, obwohl er da wusste, dass es Burnout war, zum Gespräch Vorort antanzen lassen, obwohl ich sagte, es triggert mich psychisch und bin auch Corona-Risikogruppe. Des Weiteren mir gesagt, alles Liegengebliebene von 7 Wochen (u.a. 190 E-Mails) hätte ich in 2 Tagen zu erledigen. Geil war, dass er sagte „150 Mails schaff ich in 1-2 Tagen“. Bei Bitte, es auf drei Tage zu verlängern, meinte er patzig, er hätte bereits gesagt, 140 E-Mails seien in 1-2 Tagen zu erledigen – wenn ich noch 3mal gefragt hätte, wäre es in seinem Sprachgebrauch vermutlich auf 0 Mails gesunken?!
      3. Führungskraft hatte bis dahin nur Lob für meine Arbeit, auf einmal will er Fehler und Versagen gefunden haben – konnte trotz dreier expliziter Nachfragen keine konkreten Beispiele anführen, wurde laut, hat mich verbal in die Ecke gedrängt („Denk mal drüber nach!“, „Ich geb dir 2min, drüber naczudenken!!“), etc., was halt nicht davon zeugt, dass ich wirklich was falsch gemacht hab und er ne Verbesserung erwirken, sondern mich einfach nur schikanieren und kleinmachen wollte.

      Es gibt eigentlich nur eine Sache, die ich nicht verstehe: Wie Firmen einerseits wegen Fachkräftemangel rumheulen und andererseits so dermaßen krasse Scheiße verbrechen. Weil das is nix, wo man sagt ‚Okay, Fr. Rainrunner is vielleicht bisl sensibel, naja…‘, das is einfach krass gegen Arbeitsgesetz.

      Kirschen wären toll *Tellerchen hinhalt und schnuffelt* Danke 🙂

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      • *Schüssel Kirschen rüberreich*
        Lass mich mal Raten?
        Betriebsrat gibts nicht?

        Wer hat denn die Arbeit vorher gemacht
        Klar, ich schaff auch 1000 Mails am Tag, nur weiß ich anschließend weder von wem die waren, noch um was es ging, geschweige denn, das was Konstruktives in irgendeiner Form rauskäme. Aber bearbeiten könnte ich die schon. Einfach in den Papierkorb verschieben, da isses wegbearbeitet.

        Nach diesem absurden Gespräch bist du doch wohl postwendend zum Arzt und hast Dir den nächsten Schein geholt?
        Das ist doch eindeutig ein Fall fürs Arbeitsgericht.
        Gibt so Leute, die zu Führungskräften gemacht werden, aber einfach nicht den rechtlichen Hintergrund bekommen haben – das ist ja schon alles nicht einfach im Arbeitsrecht, da sollten entsprechende Ausbildungen Pflicht sein.
        Zum Thema nicht verstehen…..na ja, manche habens immer noch nicht kapiert, das gute Leute nicht auf Bäumen wachsen.
        Scheint in der Firma wohl so zu sein, das im Kopfe der Führungriege nicht klar ist, das krank = nicht da ist. Was macht der Chef, wenns ihn umhaut? Steuert die Firma per Fernzugriff? Ich hab in meinem Arbeitleben auch schon etliche Dinger erlebt, die ich mir jetzt einfach nicht mehr bieten lassen würde.

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        • *schmatzt genüsslich kühle Kirschen*
          Es ist sogar noch schlimmer: Es ist keine hierarchische Firma, sondern etwas, wo irgendwie jeder Führungskraft werden (muahaha) und man nicht nach oben eskalieren kann. Es gibt Vertrauensmitarbeiter – die sind aber nur zum Rückenrubbeln. Statt BR gibt’s eine „Mitarbeitervertretung“ – die sich aber nicht „um Einzelfälle bemüht“. Also ja, vergisses.

          Vorher hat die Arbeit erst ein anderer Supporter gemacht (ist gegangen, wie andere wohl auch – hätte da mal aufhören sollen), dann wurde umstrukturiert, danach hat’s die Teamführung gemacht. Die muss mich jetzt bei Abwesenheiten auch vertreten und ist nicht angetan, weil „ich hab ja schon 1,5 Vollzeitjob und brauch DAS nicht auch noch“ – entsprechend ordentlich wird die Arbeit erledigt. Kommst also nach 2 Wochen Urlaub zurück und der Erholungsfaktor wird sofort zunichte gemacht.

          Ich bin nicht „postwendend“ zum Arzt, sondern hatte beschlossen, dass ich nach der Aktion Dienst nach Vorschrift mache und mir nebenbei was Neues suche. Ich war unter der Woche erst wegen der gesamten Situation zum Zerreißen angespannt und dann weil ich meine Jobprofile aktualisieren wollte, damit das mit dem neuen Job schnell geht. Als am WE beide Anspannungsursachen weg waren, ist das gesamte Kartenhaus einfach zusammengebrochen – Nervenzusammenbruch. Freunde ham mir dann gesagt, ich soll MO zum Arzt gehen und dass das so alles nichts brächte.

          Ich hatte tatsächlich die Rechtshotline meiner Rechtsschutzversicherung mal angerufen. Der Anwalt meinte, ich hätte halt kaum bzw. gar nix in der Hand: In dem Meeting war ja alles mündlich. Und ohne Beweise ginge nicht viel. Glaub mir, dass ich unfair behandelt werde und gegen die Ungerechtigkeit nicht mal was tun kann, nagt besonders an mir und führt zu tollen Gedankenkreiseln 😦
          Vor allem hab ich Gedanenkreisel, dass mir die Firma versucht, noch was anzuhängen – aber hey, der Mangel an Beweisen dürfte hier immerhin für beide Seiten gelten.

          Mich muntert es auf, dass ich nicht die einzige bin, die komische Sachen erlebt. Freunde berichten sowas ebenfalls. Sonst würd ich mich irgendwann fragen, was an/mit mir nicht stimmt.
          Heute erst gelesen: „Wenn eine Blume nicht wächst, änderst du die Erde, den Lichteinfall, die Wasserversorgung oder den Dünger – du gibst der Blume nicht die Schuld.“ Insofern ja: ich bin ein guter, motivierter und glücklicher Supporter, der auch Handgriffe über seinen Arbeitsbereich hinaus macht, wenn die Rahmenbedingungen passen. Ist dem nicht so, verkümmere ich regelrecht.
          Daher wär’s nach knapp 2 Jahrzehnten toll, mal einen Job zu bekommen, den ich nicht total hasse 😀

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          • Mmmh. Mit der Beweislage dürfte der Anwalt recht haben, das ist dünne. Für die andere Seite aber auch. Und ja, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit macht Einen mehr fertig als alles andere.
            Ich bin nicht der große Fan von weisen Sprüchen, aber an dem ist schon was dran.
            Genau das ist wohl das Problem. Irgendeiner steigt zur Führungskraft auf, ohne das man ihm das nötige rechtliche und psychologische Rüstzeug gibt. Dabei kommt dann so was raus. Laissez – faire und autokratisch zusammen haut einfach nicht hin.
            Eine Mitarbeitervertretung ist de Facto doch ein Betriebsrat? Wo soll der Unterschied liegen? Bei uns heißt das Ding auch MAV.
            Das die Teamleitung bei zusätzlich Vertretung schnauft, nun ja, hausgemachtes Problem. Dann ists offensichtlich nicht zu schaffen, und die Aufgaben müssen anders verteilt werden. Oder zusätzliche Leute werden gebraucht.
            Das klingt theoretisch alles einfacher, als es praktisch ist. Ist mir klar.
            Noch mal Kirschen? Rhabarber? Paar Erdbeerchen?

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            • Ich hatte persönlich noch nie eine wirklich gute Führungskraft. Also entweder waren die sehr „unternehmensfreundlich“, weswegen die Mitarbeiter angepisst waren oder sie waren halt einfach nur „mitarbeiterfeindlich“, was in der Regel auch „unternehmensfeindlich“ war, weil die Leute massiv vertrieben wurden.
              Ich glaub, rechtlich haben Betriebsräte mehr Rechte. Bei uns ist das einfach so ein Pseudo-Ding, damit kein Betriebsrat gewählt wird 😀
              Klar, isses deren Problem. Es müsste mindestens zwei Leute geben, die den Support machen, schon allein, weil es immer wieder zu Spitzen kommt. Das fängt man ab, indem ich Überstunden mache – die ich nie abbummeln kann oder ausbezahlt kriege – funktioniert für die 😉
              Statt Obst bitte einmal Daumen drücken, hab nach viel Verhandlungsdebatte nen Arbeitsvertrag aufm Schreibtisch liegen 🙂

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  8. Wann gehts los?
    Noch mehr Kirschen? 17 Wassereimer voll haben wir vom Baum. Leer ist der noch nicht.

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